• 23.02.2026
  • Experten-Wissen

Digitalisierung in der Pflege – So steht es um die Pflege der Zukunft

Wer heute eine moderne Klinikstation betritt, sieht oft keine Pflegekraft mehr, die mühsam Blutdruckwerte in Papiermappen einträgt. Stattdessen werden Vitalparameter direkt am Patientenbett via Touchscreen erfasst und in Echtzeit synchronisiert. Dieser Wandel steht sinnbildlich für die Digitalisierung in der Pflege, die längst begonnen hat und die Rahmenbedingungen der Versorgung in Zukunft nachhaltig verändern wird.
Das Bild zeigt eine Pflegerin am Laptop

Angesichts des demografischen Wandels, steigender Pflegebedarfe und eines spürbaren Fachkräftemangels ist klar, dass die Pflege der Zukunft ohne digitale Unterstützung nicht mehr auskommen wird. Doch wo steht die Branche aktuell? Welche Technologien sind bereits im Einsatz? Und welche Potenziale sind aktuell noch ungenutzt?

Was versteht man unter Digitalisierung in der Pflege?

Unter dem Begriff Digitalisierung wird die Integration moderner Informations- und Kommunikationstechnologien in den pflegerischen Alltag zusammengefasst. Dabei geht es bei weitem nicht nur um den Ersatz von Papier durch Computer. Vielmehr umfasst das Spektrum alles von der digitalen Verwaltung über technische Assistenzsysteme bis hin zur komplexen Robotik.

Das Ziel ist, die Qualität der Versorgung zu steigern und gleichzeitig die administrativen Lasten für das Personal zu senken. Die Anwendungen lassen sich in drei Hauptbereiche unterteilen:
 

  1. Administrative Systeme: Dazu gehören die elektronische Pflegedokumentation und Programme zur Leistungsabrechnung.
  2. Direkte Assistenz: Hierunter fallen Sturzsensorik, intelligente Betten oder Hebehilfen, die körperliche Entlastung bieten.
  3. Vernetzung: Dies umfasst die Kommunikation zwischen verschiedenen Berufsgruppen wie Ärzten, Therapeuten und Pflegekräften über sichere Netzwerke.

Digitalisierung in der Pflege – Aktuelle Lage 

Die Digitalisierung in der Pflege ist in Deutschland auf dem Vormarsch, allerdings mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Während einige Einrichtungen bereits umfassend digital arbeiten, stehen andere noch am Anfang. Ein Grund für den unterschiedlichen Entwicklungsstand ist, dass die Stimmung bezüglich digitaler Hilfsmittel in vielen Einrichtungen zwiegespalten ist. 

Während junge Fachkräfte die Modernisierung häufig fördern , herrscht bei erfahrenen Kräften oft Skepsis, ob die Technik wirklich Zeit spart oder nur neuen Dokumentationsaufwand erzeugt. Insgesamt deuten Umfragen jedoch darauf hin, dass bereits die Mehrheit die digitale Hilfe als eine Chance zur Entlastung sieht.

Ein weiteres Hindernis zu Umsetzung digitaler Hilfsmittel in der Pflege stellt die Finanzierung und die teilweise mangelnde Interoperabilität zwischen verschiedenen Softwarelösungen dar. Außerdem fühlen sich einige Pflegekräfte durch die schnelle Taktung technologischer Neuerungen überfordert.

Digitalisierung – Aktuelle Lage

Betrachtet man die allgemeine Infrastruktur, so hat der Gesetzgeber durch das "Gesetz zur digitalen Modernisierung von Versorgung und Pflege" (DVPMG) klare Rahmenbedingungen gesetzt. Seit 2025 sind viele digitale Anwendungen nicht mehr optional, sondern werden aktiv durch die Pflegekassen gefördert.

KI in der Pflege

Künstliche Intelligenz wird in der Pflege zunehmend zum „stillen Assistenten“. Ein wichtiges Beispiel ist die Pflegedokumentation. Hierbei ermöglichen Spracherkennungssysteme, Berichte während der Tätigkeit einzusprechen, anstatt sie später mühsam am PC zu tippen. Die KI filtert relevante Informationen heraus, ordnet sie den richtigen Kategorien zu und schlägt sogar passende Pflegemaßnahmen vor. Das reduziert nicht nur den Zeitaufwand massiv, sondern erhöht auch die Präzision der Berichte, da Details nicht mehr in der Hektik des Schichtwechsels verloren gehen.

Telematikinfrastruktur Pflege (TI)

Die Telematikinfrastruktur Pflege (TI) bildet das digitale Rückgrat des deutschen Gesundheitswesens. Seit Juli 2025 ist der Anschluss an dieses sichere Netzwerk für ambulante und stationäre Einrichtungen verpflichtend. Die TI ermöglicht den reibungslosen Austausch von sensiblen Daten wie Medikationsplänen oder der elektronischen Patientenakte (ePA). Damit gehören Informationsverluste beim Übergang vom Krankenhaus in die häusliche Pflege der Vergangenheit an.

Telemedizin

Die Telemedizin ergänzt die physische Präsenz vor Ort. Durch Videosprechstunden können Ärzte digital zur Visite hinzugezogen werden, was besonders im ländlichen Raum lange Wege erspart. Ergänzt wird dies durch die Telepflege: Sensoren in der Wohnung pflegebedürftiger Menschen überwachen Vitalwerte wie Blutdruck oder Blutzucker und schlagen Alarm, wenn Grenzwerte überschritten werden. Dies gibt sowohl den Betroffenen als auch den Angehörigen ein hohes Maß an Sicherheit und ermöglicht ein längeres Leben in den eigenen vier Wänden.

Digitalisierung in der Pflege – Warum sie immer wichtiger wird 

Die Relevanz der digitalen Transformation in der Pflegebranche ergibt sich aus der Situation, dass eine immer größere Zahl an pflegebedürftigen Menschen einer stagnierenden oder sogar sinkenden Zahl an Fachkräften gegenübersteht. Aufgrund dieser Konstellation ist die Digitalisierung in der Pflege kein optionaler Luxus mehr, sondern ein dringend benötigtes Hilfsmittel, um die Versorgungsqualität in Zukunft sichern zu können. Durch den Einsatz der Technik lassen sich wertvolle Zeitressourcen zurückgewinnen, die bisher in analogen und oft redundanten Verwaltungsprozessen verlorengingen. 

Wenn die Pflegedokumentation automatisiert abläuft und Informationen dank der Telematikinfrastruktur Pflege sofort dort verfügbar sind, wo sie gebraucht werden, bleibt den Fachkräften wieder mehr Zeit für die eigentliche Zuwendung am Patienten. 

Darüber hinaus führt die Technik auch dazu, dass die Sicherheit der Patienten erhöht wird. So können moderne Sensortechnologien Gefahrensituationen wie Stürze oder gesundheitliche Verschlechterungen erkennen, bevor sie zu einem Notfall führen. Außerdem steigert eine digitalisierte Arbeitsumgebung die Attraktivität des Pflegeberufs für junge Nachwuchskräfte, da sie körperliche Entlastung durch Hilfsmittel wie Heberoboter verspricht und moderne, effiziente Arbeitsweisen ermöglicht.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass die Pflege der Zukunft untrennbar mit dem technologischen Fortschritt verbunden ist. Dabei ist die Digitalisierung jedoch keineswegs ein Ersatz für die zwischenmenschliche Nähe, die den Kern der Pflege ausmacht. Vielmehr soll sie dafür sorgen, dass Pflegekräfte von zeitraubenden administrativen Lasten befreit werden und somit wertvolle Zeit gewinnen, um sich auf die direkte Zuwendung und die persönliche Interaktion mit den Patienten konzentrieren zu können. 

Auch wenn der Weg hin zu einer flächendeckenden Digitalisierung in der Pflege Mut zur Veränderung und Investitionen in die Infrastruktur erfordert, sind die Vorteile für Patienten und Personal bereits heute in der Praxis spürbar. Wer die Digitalisierung als Chance begreift, trägt also aktiv dazu bei, dass das Pflegesystem trotz demografischer Herausforderungen menschlich, sicher und zukunftsfähig bleibt. 

Jobs in der Pflege

Wer aktuell noch nach einer Stelle als Pflegefachkraft oder einem Job in der Altenpflege sucht, wird bei Medi-Karriere.de fündig. Hier gibt es ein großes Angebot an Stellenangeboten – sowohl in der Pflege, aber auch in Gesundheitsberufen allgemein.
 

Autor: Nicolas Simon / Medi-Karriere



Quellen:

  1. Digitalisierung in der Pflege: Vor- und Nachteile, https://www.aok.de/pk/magazin/pflege/pflegeformen/so-kann-die-digitalisierung-pflegepersonen-entlasten/ (Abrufdatum: 11.02.2026)
  2. Digitalisierung in der Pflege – Wie sie die Chancen nutzen, https://www.inqa.de/DE/themen/kompetenz/digitalisierung-der-arbeitswelt/digitalisierung-am-arbeitsplatz.html (Abrufdatum: 11.02.2026)
  3. Digitalisierung in der Pflege: Chancen nutzen, Herausforderungen meistern, Zukunft sichern, https://www.bpa.de/der-bpa/positionen-stellungnahmen/digitalisierung-in-der-pflege (Abrufdatum: 11.02.2026)
  4. Digitalisierung in der Pflege: Aktueller Stand, Entwicklung, Zukunft, https://www.digitalesmv.de/fachbeitraege/16-digitalisierung-in-der-pflege (Abrufdatum: 11.02.2026)
  5. Digitalisierung in der Pflege: Zwischen Anspruch und Alltag, https://www.healthcare-digital.de/digitalisierung-in-der-pflege-zwischen-anspruch-und-alltag-a-f3603bf2d20cb1010902534d47683b4e/ (Abrufdatum: 11.02.2026)